In China entsteht gerade etwas völlig Neues. Ein Staat, den die Welt so noch nicht gesehen hat. Das China von Reform und Öffnung ist Geschichte, Made in China 2025 fokussiert auf Dienstleistungen und Produkte wo man in zehn Schlüsselindustrien mit hoher Wertschöpfung marktführend sein will.

Mit Parteichef Xi Jinping entsteht der perfekteste Überwachungsstaat, der alles über jede Person mit Hilfe von künstlicher Intelligenz und Big Data registriert. China hat in einigen Bereichen die technologische Vorherrschaft bereits errungen oder ist nahe dran dies zu erreichen. Der Handelskrieg mit den USA war nicht geplant. Lange war China bekannt und willkommen als der billige Lieferant von Handelswaren. Jetzt reift das Bewusstsein, selbst wenn nicht wie bei Huawei ein Fehlverhalten nachweisbar ist, dass von China auch eine wirtschaftliche Bedrohung ausgeht.

In Amerika und zunehmend auch in Europa wird man sich bewusst, dass China ganz anders tickt. China hat auch viele Abkommen und Versprechen bezüglich Umwelt, Transparenz, Handel und Marktöffnung schlicht weg nicht eingehalten.

Gemäss dem Economist wurden im letzten Oktober die Firmenchefs einiger grosser amerikanischer Firmen ins Weisse Haus eingeladen. Mit Unterzeichnung einer Vertraulichkeitserklärung durften sie als geheim klassifizierte Dokumente begutachten. Der Direktor für Nationale Sicherheit – Dan Coats – veranschaulichte, was viele vermutet oder auch bereits erfahren haben: Wie China an viele ihre Geschäftsgeheimnisse gelangt!

Der Senator Marco Rubio erklärte, dass China die grösste Bedrohung für die USA sei. Die Idee für die Einladung kam vom demokratischen Senator Mark Warner, was eben auch aufzeigt, dass in Amerika nun eine parteiübergeordnete Bewegung am Entstehen ist. Selbst in Europa, wo Donald Trump anfänglich für den angezettelten Handelskonflikt nur Kritik einheimste, hat der Wind gedreht. Viele Firmen, welche die chinesischen Machenschaften leise akzeptierten, beginnen zu verstehen, worum es geht. Dies ist ganz im Interesse von Amerika und Donald Trump.

Als es Anfang Mai 2019 zum Abbruch der Verhandlungen mit China kam, war das chinesische Angebot für die USA zu wenig gut. Die Blockade um Huawei hat den Handelskrieg eröffnet und sofort gezeigt, welche Nationen auf der Seite der Amerikaner stehen. China droht nun mit einem Lieferengpass bei den seltenen Erden und selbst weitere Boykottmassnahmen sind wahrscheinlich. China spekuliert vermutlich darauf, dass Donald Trump unbedingt einen Deal für die Präsidentschaftswahlen von November 2020 braucht. Das haben wir anfänglich auch gedacht, doch mittlerweile könnte es Donald Trump gelingen, eine breitere Armada von westlich orientierten Kontinenten und Ländern wie Europa, Ozeanien, Japan, Korea, Grossbritannien und Kanada und in den USA sogar auch Teile der demokratischen Partei auf seine Kampfseite zu bringen.

Der Handelskrieg könnte somit andauern und sich intensivieren. Dies schmiedet Solidarität und vereint Kräfte und kann so sogar die Wiederwahl von Donald Trump 2020 begünstigen. Einige Experten sind der Ansicht, dass eine Ausweitung im Handelskonflikt eher Vorteile auf Seiten von Amerika generiert, weil China wirtschaftlich viel mehr zu verlieren hat. Die Ökonomen der UNO schätzen, dass die Zölle in einem Handelskrieg etwa 32% ausmachen und in der Sache nachweislich rezessiv wirken. Vielleicht zettelt Donald Trump gerade deswegen im Handelskrieg nun auch andere Fronten wie Mexiko (neue Zölle), Indien (Wegfall der Handelsbegünstigung) und noch mehr Ländern an, um in den kommenden Monaten alles noch viel schlimmer zu machen bevor es eine globale Versöhnung geben kann. Die Zölle sind nicht das Ziel, denn diesmal geht es um viel mehr! Die Sicherheit und die Macht der westlichen Welt scheinen in Gefahr, somit ist eine Einigung im Handelskonflikt derzeit wenig wahrscheinlich. Auch der ehemalige US-Finanzminister Henry Paulson denkt, dass ein kalter Krieg den weltweiten Handel und den Kapitalmarkt in zwei oder drei Blöcke aufteilt.

Europa ist gerade mit sich selbst beschäftigt, doch nimmt der Handelskrieg seinen Lauf, wird auch Europa früher oder später eine Position beziehen müssen. Die Grünen haben bei den Wahlen europaweit triumphiert. Weniger globaler Handel könnte auch in deren Interesse sein.

«Der Handelskrieg hat begonnen, die Aufteilung in zwei oder drei Handelswelten ist nur eine Frage von Zeit!»

Die globale Neuordnung im Handel wäre mittelfristig für alle verkraftbar, aber kurzfristig würde die Logistik für viele Firmen arg strapaziert. Die Folge wären Lieferschwierigkeiten, höhere Kosten und weniger Gewinn, was im Ganzen zu einer Wirtschaftsschwäche führen würde.

Im Interesse aller könnte eine Vereinbarung der Protagonisten sein, welche grundsätzliche Regeln im Handel, bei Steuern und beim Kapitalverkehr festlegt, bevor alles eskaliert. Der G20-Gipfel am 28./29. Juni in Osaka wird nochmals Hoffnung für eine Lösung im Konflikt verbreiten, mehr aber auch nicht! Kommt es später noch offensichtlicher zum kalten Krieg, so wird die Ruhe an den Finanzmärkten schlagartig vorbei sein. Wie beim Ereignis «Lehman Brothers» im Herbst 2008 kann es zu tumultartigen Schwankungen in allen Vermögensklassen kommen. Der US-Dollar hat seit Ende April 2019 gegen fast alle Währungen zugelegt, was im Fall eines Handelskriegs durchaus plausibel ist. Diese zusätzliche Belastung für die Finanzmärkte kann durch eine vorzeitige FED-Zinssatzsenkung gemildert werden. Sollte China seine US-Treasury-Bestände verkaufen wollen, würden diese vom Markt und vom FED aufgekauft. Wir gehen davon aus, dass die Rendite der US Treasury Notes im Fall eines anhaltenden Handelskriegs in einem Jahr weiter auf etwa 1.5% fällt.