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Coronavirus stoppt vorerst die liquiditätsgetriebene Aktienhausse

Insbesondere US-Aktien waren vor der «Corona-Viruskorrektur» hoch bewertet und technisch überkauft. Die fortbestehende Überbewertung macht Aktien für eine Korrektur anfällig, selbst wenn das Coronavirus unter Kontrolle gebracht werden sollte.

Wurden zu viel Vorschusslorbeeren verteilt?

Die Aktienmärkte starteten fulminant ins neue Jahr. Fast alle Prognosen für 2020 gehen davon aus, dass sich die Hausse mit «vernünftiger Geschwindigkeit» fortsetzen und sich die Weltwirtschaft leicht erholen wird. Wegen der starken Kursavancen der letzten Monate ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass bereits zu viel Vorschusslorbeeren verteilt wurden.

Vermögenspreise werden durch Zentralbankliquidität angetrieben

Die Zentralbankpolitik hat es nicht geschafft, Konsumentenpreisinflation in nennenswertem Ausmass zu produzieren. Stattdessen wurde vermutlich eine Vermögenspreisinflation angeheizt. Denn die Kurssteigerungen im letzten Jahr wurden bis jetzt nicht durch entsprechende Gewinnsteigerungen bei den Unternehmen untermauert.

US-Aktien vor «Virus-Korrektur» technisch deutlich überkauft

Vor der Korrektur der letzten Tage waren insbesondere US-Aktien technisch stark überkauft, die Angst der Investoren etwas zu verpassen dementsprechend hoch.

Ausbruch des Coronavirus

«There is always the unexpected» (Zitat aus Bridge on the River Kwai). Vermutlich wären Aktien kurzfristig durch die andauernde Liquiditätsschaffung der Zentralbanken weiter nach oben getrieben worden, wenn nicht ein neuer Coronavirus in China ausgebrochen wäre. Damit hatte niemand gerechnet!

Grosse Teile Chinas befinden sich im Notstand

Die weitere Verbreitung des Coronavirus und die mittelfristigen (wirtschaftlichen und menschlichen) Konsequenzen sind kaum vorhersehbar.

Kurzfristiger realökonomischer Schaden erheblich

Planwirtschaftliche Systeme zeichnen sich in der Regel durch eine beschönigende Kommunikation aus. Meistens werden unangenehme Wahrheiten solange verschwiegen, bis es nicht mehr geht. Alle offiziellen Angaben sind entsprechend mit besonderer Vorsicht zu geniessen.

China versucht derzeit rund 50 Millionen Menschen abzuschotten, indem öffentliche Transportmittel und der Überlandverkehr soweit als möglich gestoppt werden. Bei 1.4 Milliarden Einwohnern sind somit rund 3.6% der Bevölkerung Chinas betroffen.

In den nächsten Tagen, vielleicht Wochen ist mit einer steigenden Zahl an Infizierten und Toten zu rechnen. Der kurzfristige Schaden für die Wirtschaft konzentriert sich auf die Sektoren Transport und Tourismus, vor allem ist der globale Luftverkehr negativ betroffen. Sportveranstaltungen werden abgesagt. Da Menschen vermeiden werden, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, werden auch die Einzelhandelsumsätze in den betroffenen Regionen, Flughäfen und Tourismus-Hotspots (auch Luzern wird betroffen sein), deutlich sinken. In 2003 bezeichnete der internationale Luftverkehrsverband IATA das Geschäftsjahr aufgrund des Lungenvirus SARS als «das schwierigste Jahr in der Geschichte der Luftfahrt». Der unmittelbare Schaden wurde auf rund 10 Milliarden US-Dollar beziffert. Mit «nur» 1’000 Toten konnte SARS damals relativ schnell eingedämmt werden

China versucht die Ausbreitung des Coronavirus durch Reiseverbote zu bekämpfen

Es ist unklar, ob eine ähnlich schnelle Eindämmung gelingt. Prinzipiell sind Seuchenausbreitungen berechenbar, falls folgende Parameter zuverlässig geschätzt werden könnten: Ansteckungswahrscheinlichkeit im Kontaktfall, Anzahl Kontakte während der Zeit, in der man ansteckend ist, Sterbe-, Immunisierungs- & Überlebenswahrscheinlichkeit. Alle Daten sind derzeit unbekannt oder können nur sehr grob abgeschätzt werden. Auch der Einfluss der Isolations- / Abschottungsmassnahmen ist schwierig abzuschätzen.

Auch wenn China über optimierte Orwell’sche Überwachungstechnologien verfügt, kann eine hundertprozentige Abschottung von Regionen und Grossstädten nicht gelingen. Es ist unbekannt, wie schnell ein Impfstoff und wirksame Medikamente entwickelt werden können. Ermutigend ist immerhin, dass bis Redaktionsschluss noch keine Todesfälle ausserhalb Chinas aufgetreten sind. Mit 132 Todesopfern und mehr als 6’000 Infizierten beträgt eine Schätzung für die Unterschwelle der Mortalitätsrate rund 2.3%, da noch nicht bekannt ist, wie viele der Infizierten in den nächsten Monaten überleben werden. Wir wissen ebenfalls nicht, wie schnell das Virus mutiert und wie gefährlich diese Mutationen sein werden.

China schliesst ausgewählte Produktionsstandorte…

Ansteckungsgefahr droht bei allen Menschenansammlungen, somit auch bei der Arbeit. China hat angeordnet, dass das Fabrikationszentrum Suzhou, wo sich einige der grössten Fabrikationsstätten der Welt befinden, und u.a. Teile für das iPhone und Produkte für Samsung oder auch Johnson & Johnson hergestellt werden, für mindestens 1 Woche «geschlossen» wird.

…was einen negativen Angebotsschock darstellt

Somit handelt es sich bei dem Corona-Schock nicht nur um einen negativen Nachfrageschock, sondern auch um einen negativen Angebotsschock. Viele chinesische Arbeiter können nicht arbeiten und sie konsumieren nicht, da sie vermutlich nur das Notwendigste einkaufen werden. Die Ansteckungsrisiken in Einkaufszentren und Restaurants sind schlichtweg derzeit zu gross.

Was wären Entwarnungszeichen?

Anzeichen, dass die Viruserkrankung in der Mehrzahl aller Fälle bei jüngeren, gesunden Menschen nicht tödlich verläuft, wären starke «Entwarnungszeichen». Auch Anzeichen, dass die Wachstumsrate der Erkrankungsfälle sinkt, wären sehr positiv, da dies bedeuten würde, dass die Abschottungsmassnahmen erfolgreich sind. Die nächsten Tage werden hier mehr Klarheit schaffen.

Unsere Positionierung

Nachdem die Börsen im Dezember 2019 und zu Beginn dieses Jahres stark angestiegen sind, haben wir unsere Übergewichtung der Aktien zu Gunsten von Liquidität abgebaut. Dies geschah noch vor dem «medialen Ausbruch» des Coronavirus. Zusätzlich haben wir jetzt wegen der grossen Unsicherheit einen Teil der Aktienquote abgesichert. Mit unserer ebenfalls der Sicherheit dienenden strategischen Goldquote fühlen wir uns für die kommenden Wochen gut gewappnet.