9. Oktober 2017

Rente oder Kapital?

Ob bei der Pensionierung die Rente oder ein (Teil-) Kapital aus der Pensionskasse bezogen werden soll, ist eine der häufigsten und wichtigsten Fragen bei der finanziellen Vorbereitung der Pensionierung. Der Entscheid ist von grosser Bedeutung: Die beiden Bezugsformen unterscheiden sich grundlegend und das Vermögen in der zweiten Säule ist für viele Rentner die wichtigste Einnahmequelle im Alter. Der einmal gefällte Entscheid kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Patentlösungen gibt es nicht

Die Entscheidung für Rente oder Kapital wird durch die eigenen Prioritäten bestimmt. Je nach den individuellen Familien-, Einkommens- und Vermögensverhältnissen, der steuerlichen Situation und allfälligen Erbschaften ist eine der beiden Lösungen die bessere. In jedem einzelnen Fall sind daher die Vor- und Nachteile sorgfältig zu analysieren. In vielen Fällen ist weder der ganze Kapital- oder Rentenbezug, sondern eine Lösung dazwischen (Teilbezug) die beste.

Das Thema ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht

Die meisten Menschen unterschätzen die Problematik. Jeder Fall ist anders. Deshalb braucht es eine saubere Analyse, eine individuelle Finanzplanung hilft dabei. Je früher Sie damit beginnen, desto bessere Lösungen können Sie erreichen. Unsere Experten helfen Ihnen: Sie kennen die gesetzlichen Vorschriften sowie die Steuergesetze und wissen, worauf bei den Reglementen der Pensionskassen zu achten ist.

Freizügigkeitskonto

Treten Sie aus Ihrer bisherigen Pensionskasse aus, ohne sich einer neuen anzuschliessen, muss der Vorsorgeschutz erhalten bleiben: Ihr Pensionskassenguthaben wird wie gesetzlich vorgeschrieben in eine Freizügigkeitseinrichtung übertragen. Ihr Freizügigkeitsguthaben können Sie grundsätzlich mit dem Erreichen des AHV-Rentenalters beziehen. Eine Verrentung ist nicht möglich, es bleibt nur der Kapitalbezug.
Kapitalentnahmeplan oder Zeitrenten-Depot?

Wegen der Rentengarantie auf Lebenszeit ziehen es viele angehende Pensionierte vor, ihr Kapital in der Pensionskasse zu belassen, eine individuelle Vermögensanlage ist ihnen zu unsicher. Dabei bietet ein seriös aufgebauter, aus Aktien und Festverzinslichen bestehender Kapitalentnahmeplan einen hohen Grad an Sicherheit. Der Plan sieht jährliche Zahlungen (Zeitrenten) vor; sie werden einem sogenannten Zeitrenten- oder Annuitäten-Depot entnommen, setzen sich aus Zinsen und Dividenden sowie aus dem - im Zeitverlauf zunehmenden - Kapitalverzehr zusammen. Ein gezieltes Management der Laufzeiten der festverzinslichen Anlagen garantiert die Periodizität. Anders als die Pensionskassenrente oder die Leibrente eines Lebensversicherers läuft ein Kapitalentnahmeplan also nicht lebenslänglich, sondern ist zeitlich befristet.

Diesem scheinbaren Nachteil kann aber durch eine genügend lange Zeitspanne, etwa bis Alter 90 oder noch länger, Rechnung getragen werden. Wer zusätzliche Sicherheit wünscht, kann eine Restsumme einplanen. Gegenüber der Rente weist der Kapitalentnahmeplan drei entscheidende Vorteile auf: Erstens ist er nicht in alle Ewigkeit zementiert, die jährliche Zahlung kann also in Zeiten steigender Zinssätze verbessert werden. In Zeiten tiefer Zinsen, wie das heute der Fall ist, bestehen also gute Aussichten, die bei Beginn errechneten Zeitrenten im Laufe der Jahre noch zu erhöhen.

Bei frühem Tod bietet der Kapitalentnahmeplan einen hohen Restwert - ein wichtiges Kriterium für Anleger mit Kindern und/oder Enkelkinder. So verbleibt beispielsweise bei dem auf 25 Jahre ausgerichteten, mit einem von 522’000 Franken finanziertem Kapitalentnahmeplan nach 20 Jahren - dies entspricht der ungefähren mittleren Lebenserwartung eines 65-jährigen Mannes - noch ein Kapital von rund 145’000 Franken (siehe Rechenbeispiel unten). Es ist deshalb ein ideales Anlageinstrument für Rentner, die ihr Vermögen nicht im Solidaritätstopf der Pensionskasse verschwinden lassen, sondern für ihre Kinder erhalten möchten. Das Handling eines Kapitalentnahmeplanes setzt Erfahrung voraus. Wir haben langjährige Praxis mit massgeschneiderten, sicheren Anlagelösungen.

Rechenbeispiel

Annahmen
Kapitalentnahmeplan mit unterschiedlicher Plandauer
• Zivilstand:
• Alter:
• Konfession:
• Domizil:
• PK-Kapital:
• Verrentung:
• Umwandlungssatz:
• Kapitalbezug:
• Steuern Kapitalbezug:
• Kapitalbezug (netto):
• Renditeerwartung:
Alleinstehend
65
Reformiert
Stadt Zürich
CHF 1’100’000
CHF 500’000
5.75%
CHF 600’000
CHF 78’000
CHF 522’000
1.70% p.a. (nach Kosten)

Die Vor- und Nachteile auf einen Blick

Pensionskassen-Rente
Vorteile:
  • Vertraute Lösung
  • Bequem, keine Verantwortung für die Kapitalanlage
  • Lebenslänglich garantiertes Einkommen, abhängig vom Umwandlungssatz bei Rentenbeginn
  • Hohe Sicherheit (die Rente ist durch den Eidgenössischen Sicherheitsfonds abgesichert)
Nachteile:
  • Rente ist in Bund und Kanton zu 100% als Einkommen zu versteuern
  • 30% - 40% Rentenverlust für Witwe (siehe PK-Reglement)
  • 100% Rentenverlust für Erben
  • Teuerungsausgleich unsicher
Kapitalauszahlung
Vorteile:
  • Privilegierte, einmalige Besteuerung des Kapitals bei Auszahlung, getrennt vom übrigen Einkommen
  • Unabhängig planbar, flexibel verfügbar
  • Sicherheit/Risiko abhängig von der Anlagestrategie und der Vermögensanlage (Titelauswahl/Streuung)
  • Nur Kapitalerträge als Einkommen steuerbar. Vermögenssteuer auf dem Restkapital
  • Restkapital bleibt für die Erben, in den meisten Kantonen keine Erbschaftssteuern für Ehegatte und direkte Nachkommen
  • Inflationsausgleich bei Anlagen in Sachwerten eher möglich
Nachteile:
  • Selbstverantwortung für die Kapitalanlage. Ein klarer, schriftlicher Plan und eine verlässliche Organisation sind erforderlich, auch wenn Sie die Anlageentscheide delegieren (Mandat)
  • Kursschwankungen der Wertpapiere und Währungen
  • Vermögensertrag abhängig von den zukünftigen Zinsen der Obligationen und den Dividenden von Aktien sowie den Ausschüttungen von ETF und Fonds
  • Depotgebühren und Transaktionskosten, bei externer Verwaltung zusätzlich Vermögensverwaltungskosten
  • Risiko der Langlebigkeit geht auf Versicherten über

Checkliste für die finanzielle Planung des dritten Lebensabschnittes

Budget
Welche regelmässigen Einnahmen brauche ich im Minimum, um meinen dritten Lebensabschnitt finanziell zu gestalten? Dieser Betrag sollten Sie mit den sicheren Rentenzahlungen aus AHV und Pensionskassenrente erreichen können. Ein aktuelles Ausgabenbudget mit dem Vergleich «Heute» - «Situation nach Pensionierung» hilft ihnen bei der Budget-Planung.

Familienverhältnisse
Alleinstehend oder verheiratet? Wie lange brauchen die Kinder / Enkelkinder meine Unterstützung?

Gesundheitszustand
Eigene Lebenserwartung? Gesundheitszustand des Ehegatten oder des Lebenspartners, der Eltern und Geschwister?

Pläne
  • Welche Ziele will und kann ich jetzt realisieren?
  • Hypotheken/Schulden weiter reduzieren?
  • Zweitwohnsitz in den Bergen oder im Süden? Grössere Reise(n)?
  • Hobbys? Ausbildung der Kinder / Enkelkinder?
  • Erbvorbezug / Schenkungen / Einrichtung einer eigenen Stiftung?
Ehegattenrente
Gilt in meiner Pensionskasse die Bestimmung, dass nach meinem Tod mein Ehegatte bei Wiederverheiratung den Rentenanspruch verliert? (siehe PK-Reglement)

Vermögensanlage
  • Interesse und/oder Erfahrung im Umgang mit Geld / Vermögen? Heute, in 5, 10 oder 15 Jahren? Eigene Verwaltung oder Verwaltungsmandat?
  • Entspricht das Portfolio meinem Risikoprofil?
  • Sind meine Anlagen sinnvoll und breit gestreut (Diversifizierung)?
  • Welchen möglichen Ertrag kann ich erwarten?
  • Mit welchem Verlust muss ich rechnen? (Stresstest)
Vermögen
Guthaben / Wertschriften / Lebensversicherungen und Leibrenten / Immobilien / Anwartschaften / Beteiligungen / eigene Firma / Kunst / Antiquitäten / wertvolle Fahrzeuge / Schmuck / Edelmetalle

Zinsniveau
Würde ich heute (Tiefzinsphase) einem erstklassigen Schuldner (AAA, AA oder A) mein Geld in meiner Anlagewährung (CHF) zu einem fixen Zinssatz für 10, 15 oder gar 20 Jahre fest ausleihen? Diese Frage ist besonders wichtig für die Wahl der Laufzeiten beim Kauf von Obligationen. Auch private Leibrenten sind langfristige Nominalanlagen. Das Zinsniveau beim Kauf einer Leibrente ist entscheidend für die Höhe der Überschussanteile der zukünftigen Renten!

Recht
Ehe-/Partnervertrag, Testament/Erbvertrag, Vorsorgeauftrag, Patientenverfügung

Anlagerendite
Wie schätze ich die zukünftige Entwicklung der Anlagemöglichkeiten, die Entwicklung der Finanz- und Kapitalmärkte und des Immobilienmarktes ein?

Steuersituation
Kenne ich die Steuerfolgen meiner bevorzugten Varianten?

Teuerung/Kaufkraft
Wie schätze ich die Entwicklung der Inflation für die nächsten 15 bis 20 Jahre ein? Wie kann ich meine Kaufkraft erhalten? In den letzten 25 Jahren (1991 - 2016) hat sich die Kaufkraft in der Schweiz etwa um 25%, die letzten 20 Jahre (1996 – 2016) um etwa 10% reduziert. Mit 1’000 Franken konstanter Rente pro Monat kann ich in 20 Jahren voraussichtlich auch nur noch für 900 Franken oder noch weniger einkaufen.

Planungszeitraum
Eine heute 65 Jahre alte Frau hat eine statistische Lebenserwartung von 24.96 Jahren, ein heute 65 Jahre alter Mann eine von 22.31 Jahren (Stand 2017, Quelle: Deprez.ch/Generationentafel). Vorsichtshalber zähle ich zu diesen Zahlen noch 10 Jahre dazu, damit das Restkapital möglichst lange ausreicht.